Bericht zur bmk-Tagung am 15. Januar 2022

„Alles purer Genderwahn?! Ein Überblick und Austausch zum Gendern und was das für unsere Arbeit bedeuten könnte!“

Termin: 15. Januar 2022, 9:30 – 14:30 Uhr
Ort: online via Zoom
Refertin: Dr.in Sarah Heinemann

Gender-Gaga, Genderwahn, Gleichmacherei – beim Thema geschlechtergerechte Sprache scheiden sich die Geister. Gespräche werden zu Wortgefechten, wir wandeln auf ausgetretenen Pfaden. Deshalb kamen wir am 15. Januar in einer kleinen Gruppe online zusammen, um uns konstruktiv mit dem Gendern zu beschäftigen. Dazu hatte unser Mitglied Sarah Heinemann einiges an Input mitgebracht. Und wer wäre besser geeignet für eine Einführung zu diesem Thema als Dr.in Sarah Heinemann (Pronomen: sie/ihr), die am Lehrstuhl Deutsche Sprache der Gegenwart an der RWTH Aachen für ihr Habilitationsprojekt an der Vermittlung und Reflexion weiblicher Rhetorik in Führungskompetenztrainings von Mentoringprogrammen für Nachwuchswissenschaftlerinnen an Technischen Hochschulen forscht? Ein hochgestelltes in nach dem Titel? Die Pronomen in der Vorstellung nennen? Für die meisten von uns waren schon diese beiden Hinweise in der Einladung eine Anregung. Mit Sarahs Anstößen zur Reflexion und zum Gedankenaustausch konnten wir freudig diskutieren. Die Meinungen gingen auseinander. In der Praxis, insbesondere im gesprochenen Wort sind die Umgangsformen mit dem Gendern verschieden. Die Diskussion war offen und freundlich. Woher die Ideen zum Gendern eigentlich kommen, was der Unterschied zwischen sexueller Identität und Orientierung ist, warum die Nutzung ausschließlich männlicher und weiblicher Formen nicht inklusiv ist – und wie wir damit umgehen – das alles besprachen wir angeregt. Aber gibt es ein Fazit?

Mal angenommen, wir lassen uns darauf ein zu gendern, wie machen wir das am besten? Gender-Star*, Unterstrich_, /-innen, Binnen-I oder Doppelpunkt? Denn insbesondere im Sprechen ist das Gendern gar nicht immer so einfach: Wie gelingt der Glottisschlag in „deine*e“ oder „jede*r“? Sarah Heinemann führte uns durch das Thema, ohne den Zeigefinger zu erheben, zeigte uns Kritikpunkte am Gendern auf und erklärte uns, warum manche Kritik nur vorgeschoben ist. Ganz schön schwierig, wenn man seine Alltagssprache anpassen muss, oder? Sarah hat uns auch dafür sensibilisiert, dass wir nicht direkt und immer alles richtig machen müssen und, dass inklusive Sprache ein Angebot ist. Ein Angebot, kreativ zu werden und vor allem, dass Fehler erlaubt sind! Also, liebe Kolleg*innen, liebe Sprachexperimentierende, liebe Sprecherzieher:innen, liebe Menschen, die sich mit der mündlichen Kommunikation befassen, liebe Rhetorikexpert*innen, Stimmentfalter:innen und Wörtertänzer_innen – seid erfinderisch und bereichert unsere Sprache mit neuen Formen – anstatt sie zu beschränken. Wir haben doch mehr zu bieten als das generische Maskulinum!

Vielen Dank an Sarah und alle Teilnehmerinnen für den Gedankenaustausch!

Anna Wichtmann